Regen, Fietsen und andere Calamiteiten

Regen, Fietsen und andere Calamiteiten

Amsterdam ist eine Reise wert! Besonders jetzt, da es eine direkte Flugverbindung von Dresden ins holländische Venedig gibt. Aber aufpassen:

Wo bunte Räder Dir nach dem LebenA dam 1 trachten,
wo Boote fahr‘n in engen Grachten,
wo Möbel hängen am Flaschenzug,
wo jedermann nur Holzschuh trug,
dort am Wasser hinterm Damm
steht heut das stolze Amsterdam.

Das großzügig gebaute Vincent van Gogh – Museum setzt die Werke des berühmten Malers perfekt ins richtige Licht. So manches Bild wirkt unvollendet, andere mit großer Perfektion ausgeführt, jeder Strich ein Stich. Ein Frauenporträt heißt dann eben auch „Kop van een Vrouw“ und in der Sonderausstellung „Lichte zeden“ setzen die Künstler den „leichten Mädchen“ ein Denkmal.

Vor dem Haus, auf dem Museumsplein, ist die Stadt lebendig, laut und bunt. Ein Markt, Fußballspieler, Musiker und jede Menge junge Leute, fast alle mit Handy in der Hand. Und Fahrräder, leuk fietsen. Überall knallbunte Fahrräder. Fortbewegungsmittel Nummer 1 für Alt und Jung, für Hippies und Schlipsträger. Es gibt auch Fahrradwege, aber die sind nicht obligatorisch und werden gern von Mopeds benutzt, wobei auch deren Fahrer auf einen Helm verzichten. Und dazwischen Wasser, darüber führen Brücken, die Häuser mit ihren engen, steilen Treppenhäusern stehen auf hölzernen Balken, der Bahnhof ist eine Insel – verrückte Stadt! Vom Hauptbahnhof Central fahren in kurzen Abständen Fähren in den Nordteil der Stadt. Diese sind kostenfrei und eine gute Alternative zu den teuren Grachtenrundfahrten. Auf der anderen Seite des Wassers kann man entspannt die Schiffe beobachten und die Skyline Amsterdams genießen.

„Diamonds are the girls best friends“ – ganz nah dran an den kleinen Lieblingen ist frau bei Gassan, der traditionsreichen Diamantschleiferei im Herzen der Stadt. Gleich um die Ecke ist das Rembrandt-Haus, wo der Maler im 17. Jahrhundert über 20 Jahre lebte. Einige seiner berühmtesten Werke (z.B. Die Nachtwache) kann man aber auch sehr eindrucksvoll im Rijksmuseum besichtigen, das sich neben den großen holländischen Künstlern auch der Geschichte und dem Handwerk widmet und in seiner Architektur Alt und Neu perfekt verbindet. Eine riesiges Gebäude, in dem man viele, viele Kilometer zurücklegen kann.

Das HOLLAND FESTIVAL ist in der Stadt präsent. Unübersehbar die bunten Fahnen, die großen Buchstaben der teilnehmenden Länder an Gebäuden und auf den T-Shirts der unzähligen Mitarbeiter und Helfer. Festival-Treffpunkt ist im traditionsreichen Theater Stadsschouwburg am Leidseplein. Dort versammeln sich vor und nach den Aufführungen Künstler und Publikum und auch die Festivaldirektorin Ruth Mackenzie kann man nicht übersehen. Für mich wurden Erinnerungen wach an meine eigene Festivalzeit bei den Theaterformen, an die wunderbaren Gastspiele aus aller Welt, an die allerbeste Direktorin Marie Zimmermann und an tolle KollegInnen.

„NELKEN“ vom Tanztheater Pina Bausch ist eine schon mehr als dreißigjährige berührende Inszenierung, die nichts an Aktualität eingebüßt hat und das Publikum zwischen Lachen und Weinen in atemloser Spannung hält. „STELLA“ im Theater Bakke Ground ist in seinem überartikulierten Englisch dann doch nur ein monotoner Monolog zweier Monologen, der Schauspieler und sein weibliches Alter Ego, die auf der Bühne im dunklen Raum doch sehr bei sich bleiben. Tschaikowskys Oper „PIQUE DAME“ war eines der Highlights des Festivals im 50. Jubiläumsjahr des Opernhauses mit über 1.600 gefüllten Plätzen, sehr russisch und schön laut.
Meine persönliche Lieblingsaufführung war jedoch das Konzert “Africa Express presents… THE SYRIAN NATIONAL ORCHESTRA FOR ARABIC MUSIK“ im Koninklijk Theater Carré, einem wunderschönen Gebäude von 1887 direkt an der Amstel. Arabische Töne nicht nur auf der Bühne. Von den Beatles „Blackbird singing in the dead of night…“ über HipHop bis zu traditioneller arabischer Musik, Orchester, Chor und Solisten gaben alles. Das euphorische Publikum wurde mitgerissen und forderte eine Zugabe nach der anderen. Nicht zuletzt die eindrucksvollen Videoprojektionen, die unseren Planeten, den Krieg, tanzende Derwische oder auch nur eine Träne visualsierten, machten den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Großartig – momtaz, shukran!

Auch an Regentagen sollte man sich nicht unbedingt in einen der berühmt-berüchtigten Coffee-Shops verirren, wo es gar keinen Kaffee gibt. Aber ein vermeintlich kleiner Antiquitätenladen mit einem netten Café an der Elandsgracht entpuppte sich als ein unüberschaubares Antikzentrum mit schönen Dingen aus vergangenen Zeiten. Und während die Regentropfen auf das Dach trommeln, kann man sich in endlosen Gängen und Nischen verlieren und sich fragen, welche Geschichten diese Schmuckstücke, Möbel, Puppen usw. wohl erzählen würden, wenn sie sprechen könnten. Eine wunderschöne Lupe wechselte ihren Platz im Schaufenster und den Besitzer. Doch was möchte ich nun vergrößern? „Zunächst mein Honorar!“

20160623_112620Wesentlich moderner kommt die Ausstellung mit Werken des britischen Street Art-Künstlers BANKSY daher. Die Provokationen aus der Spraydose sind inzwischen so „hip“, daß clevere New Yorker Straßenkinder seinen Biber mit einer Pappe abdecken und 5 Dollar „Eintritt“ nehmen, wenn sich jemand dieses Original anschauen will.

In diesem Sinne: „In art we trust.“

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Der neue Sommerblog

Der neue Sommerblog

Jetzt ist es soweit: die Kulturperlen starten ihren ersten eigenen Blog. Aber warum eigentlich? Nun, ich will nicht für mich behalten, was für großartige Dinge ich in meinem abwechslungsreichen Leben hören und sehen, riechen und schmecken, erfühlen und erleben darf.

Ganz vorn steht da meine persönliche allabendliche „Lachtherapie“. Und weil gerade Sommerpause ist, habe ich Zeit für einen Rückblick. Im DRESDNER COMEDY & THEATER CLUB präsentierten die lustigsten Künstler der Stadt ihre wunderbaren Programme. Wer ist dabeigewesen? Wer weiß, von welchen Comedians / Kabarettisten oder SchauspielerInnen folgende Pointen stammen?

„Männer, die immer wissen, wo ihre Frau ist, sind Witwer.“

„Wenn eine Frau schweigt, soll man sie nicht unterbrechen.“

„Jeder gute Gärtner macht in irgendeine Ecke seines Gartens einen Haufen!“

„Dieser arabische Taxifahrer hat nur gemeckert – bloß, weil ich gesagt habe, daß ich noch nie mit einem Mehrtürer (Märtyrer) gefahren bin.“

„Ich bring mich doch nicht wegen einem Mann um – schon gar nicht wegen meinem!“

Das und mehr, von Profis entsprechend vorgetragen, läßt Lachmuskeln und Zwerchfell des Publikums im Gewölbekeller erbeben. Glücklicherweise ist das historische Sandsteingewölbe im Kügelgenhaus aus dem 17. Jahrhundert sehr stabil gebaut und hält das aus. Und so kann man im früheren Weinkeller des Malers Gerhard von Kügelgen nun allerlei Wortwitz zu aktuellen Themen belachen.

In diesem Sinne: „Amüsieren Sie sich? – Dann sagen Sie doch bitte auch Ihrem Gesicht Bescheid!“